Deutsche Zitierweise (Fußnoten): Schritt-für-Schritt-Anleitung

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Moritz

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May 21, 2026

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Wenn du an einer deutschen Hochschule eine Hausarbeit in Geschichte, Jura, Germanistik oder Theologie schreibst, lautet die Vorgabe oft schlicht: „Zitieren in Fußnoten". Damit ist die Deutsche Zitierweise gemeint – ein Zitierstil, der sich grundsätzlich von amerikanischen Systemen wie APA oder Harvard unterscheidet. Statt einer Klammer im Fließtext setzt du eine hochgestellte Zahl, und die eigentliche Quellenangabe wandert an den unteren Seitenrand.

Das klingt einfach, hat aber Tücken. Wie sieht ein Vollbeleg genau aus? Wann verwendest du „ebd."? Was kommt bei einem Sammelband in die Fußnote, was ins Literaturverzeichnis? Und wie verhinderst du, dass Word jedes Mal beim Verschieben eines Absatzes deine Fußnoten durcheinander bringt?

Diese Anleitung ist die Antwort. Sie erklärt das System der Deutschen Zitierweise mit konkreten Beispielen für jede Quellenart, zeigt die Unterschiede zu APA und Harvard, gibt dir Word-Tipps an die Hand und endet mit einer Checkliste, die du vor der Abgabe abhakst.


Das Grundprinzip: Fußnoten statt Klammerverweise

Die Deutsche Zitierweise wird auch Fußnotensystem oder klassische Zitierweise genannt. Charakteristisch ist: Jedes Zitat – ob wörtlich oder paraphrasiert – wird im Fließtext mit einer hochgestellten Zahl markiert, und die Quellenangabe steht in einer Fußnote am unteren Seitenrand.

Beispiel im Fließtext:

Die Globalisierung beschreibt einen vielschichtigen Prozess weltweiter Verflechtung.¹

Die kleine ¹ verweist auf die Fußnote derselben Seite. Dort steht die eigentliche Quellenangabe.

Der wichtigste Unterschied zu APA oder Harvard liegt im Aufbau: In APA findest du die Angabe in der Klammer (Müller, 2023, S. 45), in der Deutschen Zitierweise als ausgeschriebener Eintrag am Seitenende. Das macht die Fußnote optisch ruhiger im Fließtext – und gibt Platz für längere Anmerkungen.

Verbreitet ist die Deutsche Zitierweise vor allem in den Geistes- und Rechtswissenschaften: Geschichte, Germanistik, Theologie, Philosophie, Kunstgeschichte sowie Jura nutzen sie an den meisten deutschen Hochschulen. In den Sozial- und Naturwissenschaften überwiegen dagegen APA oder Harvard.


Vollbeleg und Kurzbeleg: das zentrale Prinzip

Die Deutsche Zitierweise unterscheidet zwischen Vollbeleg und Kurzbeleg.

Der Vollbeleg steht bei der ersten Nennung einer Quelle. Er enthält alle bibliografischen Angaben, die zur eindeutigen Identifikation nötig sind:

¹ Müller, Anna: Grundlagen der Globalisierung, 2. Auflage, München: Beck, 2023, S. 45.

Der Kurzbeleg folgt bei jeder weiteren Nennung derselben Quelle. Er beschränkt sich auf Nachname, Jahr und Seite:

² Müller, 2023, S. 67.

Manche Lehrstühle verwenden statt der Jahresangabe einen Kurztitel:

² Müller, Grundlagen, S. 67.

Beide Varianten sind verbreitet. Klär das einmal mit deiner Betreuung oder schau in den Leitfaden deines Instituts – die Konvention ist universitätsabhängig.

Wichtig: Manche Lehrstühle erlauben ausschließlich Kurzbelege ab der ersten Nennung und verschieben den Vollbeleg ins Literaturverzeichnis. Auch das ist eine zulässige Variante der Deutschen Zitierweise, allerdings die Minderheit.


Vollbeleg-Beispiele nach Quellentyp

Damit die Theorie greifbar wird, hier die wichtigsten Quellentypen mit fertigen Beispielen.

Buch mit einem Autor

¹ Müller, Anna: Grundlagen der Globalisierung, 2. Auflage, München: Beck, 2023, S. 45.

Buch mit zwei Autoren

¹ Müller, Anna / Schmidt, Paul: Theorien der Internationalen Beziehungen, Wiesbaden: Springer VS, 2022, S. 112.

Buch mit drei oder mehr Autoren (et al.)

¹ Müller, Anna et al.: Globalisierung im 21. Jahrhundert, Stuttgart: UTB, 2024, S. 88.

Im Kurzbeleg gilt dieselbe Regel:

² Müller et al., 2024, S. 91.

Beitrag in einem Sammelband

¹ Schmidt, Paul: Globale Lieferketten in der Krise, in: Müller, Anna (Hrsg.): Handbuch Globalisierung, München: Beck, 2023, S. 145–162, hier S. 150.

„Hier S. 150" verweist auf die konkrete Fundstelle innerhalb des Aufsatzes. Diese Doppelangabe (Aufsatzumfang plus Fundstelle) ist die saubere Variante; manche Institute akzeptieren auch nur die Fundstelle.

Zeitschriftenartikel

¹ Becker, Lisa: Sprache im Wandel, in: Zeitschrift für Germanistik 12 (2020), Heft 3, S. 44–60, hier S. 52.

Heftnummer und Bandnummer sind in den Geisteswissenschaften üblich, in der Praxis weicht das aber je nach Zeitschrift ab. Bei vielen Journals genügt: Jahrgang, Jahr, Seitenangabe.

Internetquelle

¹ Bundeszentrale für politische Bildung: Was ist Globalisierung?, URL: https://www.bpb.de/themen/globalisierung/, letzter Zugriff: 12.05.2026.

Bei Internetquellen entfällt die Seitenangabe – stattdessen steht das Zugriffsdatum. Wenn die Seite Abschnittsnummern hat, kannst du sie ergänzen (Abschnitt 2.1).

Gesetzestext

¹ § 433 BGB.

Juristische Quellen folgen eigenen Konventionen. In juristischen Hausarbeiten ist die Deutsche Zitierweise besonders detailliert und unterscheidet zwischen Gesetzen, Urteilen, Kommentaren und Aufsätzen. Eine Spezialanleitung lohnt sich.

Hochschulschrift (Dissertation, Masterarbeit)

¹ Weber, Jonas: Diskursanalyse in der Praxis, Diss., Universität Hamburg 2021, S. 78.

Film, Video, Podcast

¹ Herzog, Werner: Grizzly Man, Dokumentarfilm, USA 2005, 01:23:45.

Bei AV-Quellen ersetzt der Zeitstempel die Seitenangabe.


Direkte und indirekte Zitate

Die Form deiner Fußnote ändert sich danach, ob du wörtlich zitierst oder paraphrasierst.

Direktes (wörtliches) Zitat

Im Text steht das Zitat in Anführungszeichen, die Fußnote enthält die genaue Quelle ohne Zusatz:

Im Fließtext: „Die Globalisierung verändert die Welt grundlegend."¹
Fußnote: ¹ Müller, 2023, S. 45.

Indirektes Zitat (Paraphrase)

Du gibst den Gedanken in eigenen Worten wieder. In der Fußnote setzt du „Vgl." (für „vergleiche") vor den Beleg:

Im Fließtext: Globalisierung verändert die Welt nach Müller grundlegend.¹
Fußnote: ¹ Vgl. Müller, 2023, S. 45.

Diese Unterscheidung ist Pflicht. „Vgl." signalisiert deiner Leserin: Hier wurde sinngemäß übernommen, nicht wörtlich. Wer das weglässt, riskiert den Vorwurf eines verdeckten Zitats – einer Form von Plagiat.


Spezialfälle: ebd., ders., zit. nach

Drei Abkürzungen tauchen in der Deutschen Zitierweise immer wieder auf und sollten sitzen.

ebd. (ebenda)

Wenn du in zwei direkt aufeinanderfolgenden Fußnoten dieselbe Quelle zitierst, kannst du ab der zweiten Nennung „ebd." schreiben:

³ Müller, 2023, S. 45.
⁴ Ebd., S. 47.

Wichtig: „ebd." funktioniert nur, wenn die Quelle in der unmittelbar vorhergehenden Fußnote stand. Sobald eine andere Quelle dazwischenliegt, ist „ebd." nicht mehr zulässig – dann musst du den normalen Kurzbeleg verwenden.

ders. / dies. (derselbe / dieselbe)

Wenn du zwei verschiedene Werke desselben Autors hintereinander in einer Fußnote oder in aufeinanderfolgenden Fußnoten nennst, kannst du den Nachnamen durch „ders." (männlich) oder „dies." (weiblich) ersetzen:

³ Müller, Anna: Grundlagen der Globalisierung, München 2023, S. 45.
⁴ Dies., Theorien der Globalisierung, Berlin 2021, S. 22.

Das spart Platz und ist in den Geisteswissenschaften üblich.

zit. nach (zitiert nach)

Wenn du eine Quelle nicht im Original gelesen, sondern aus einer anderen Quelle übernommen hast, musst du das offenlegen:

¹ Schmidt, 1962, S. 12, zit. nach: Müller, 2023, S. 78.

Sekundärzitate sind in wissenschaftlichen Arbeiten zu vermeiden, wenn möglich greifst du immer auf das Original zurück. Wenn das nicht geht – etwa bei vergriffenen oder unzugänglichen Werken –, ist „zit. nach" die saubere Lösung.


Das Literaturverzeichnis

Am Ende deiner Arbeit steht das Literaturverzeichnis, in dem alle verwendeten Quellen alphabetisch aufgelistet sind. Die Einträge enthalten dieselben Informationen wie der Vollbeleg, aber ohne Seitenangabe – mit Ausnahme von Aufsätzen, bei denen der gesamte Seitenbereich angegeben wird.

Buch:
Müller, Anna: Grundlagen der Globalisierung, 2. Auflage, München: Beck, 2023.

Sammelband-Beitrag:
Schmidt, Paul: Globale Lieferketten in der Krise, in: Müller, Anna (Hrsg.): Handbuch Globalisierung, München: Beck, 2023, S. 145–162.

Zeitschriftenartikel:
Becker, Lisa: Sprache im Wandel, in: Zeitschrift für Germanistik 12 (2020), Heft 3, S. 44–60.

Internetquelle:
Bundeszentrale für politische Bildung: Was ist Globalisierung?, URL: https://www.bpb.de/themen/globalisierung/, letzter Zugriff: 12.05.2026.

Die Einträge werden alphabetisch nach dem Nachnamen des Autors sortiert. Mehrere Werke desselben Autors werden chronologisch geordnet, beginnend mit dem ältesten.


Fußnoten in Word richtig einrichten

Die manuelle Erstellung von Fußnoten ist die häufigste Fehlerquelle. Word macht das automatisch, wenn du die richtige Funktion nutzt.

So fügst du eine Fußnote ein

Setze den Cursor an die Stelle im Text, wo die hochgestellte Zahl stehen soll. Im Menüband klickst du auf Verweise und dann auf Fußnote einfügen. Word fügt automatisch die hochgestellte Ziffer ein, springt an den Seitenrand und öffnet den Eingabebereich für deinen Beleg.

Tastenkombination

Auf Windows: Strg + Alt + F
Auf Mac: Cmd + Option + F

Das ist beim Schreiben die schnellste Variante.

Formatierung anpassen

Standardmäßig setzt Word eine Linie zwischen Text und Fußnotenbereich und nutzt arabische Ziffern. Wenn dein Lehrstuhl kleinere Schriftgrößen für Fußnoten verlangt (üblich sind 10 Punkt statt 12), kannst du das in der Formatvorlage Fußnotentext einmalig anpassen – dann gelten die Vorgaben für alle Fußnoten im Dokument.

Nummerierung steuern

In den Fußnoten-Optionen kannst du festlegen, ob die Zählung pro Seite oder fortlaufend durchs Dokument läuft. Üblich ist fortlaufend. Pro Seite zu zählen ergibt nur bei sehr langen Arbeiten Sinn, ist aber an manchen Lehrstühlen erwünscht.

Wichtiger Tipp: Fußnoten nie manuell mit hochgestellten Zahlen im Text und einem getippten Seitenrand-Block bauen. Sobald du einen Absatz verschiebst, läuft die Nummerierung aus dem Ruder. Die Word-Funktion passt die Zahlen automatisch an.


Die sieben häufigsten Fehler in der Deutschen Zitierweise

1. „Vgl." vergessen bei indirekten Zitaten. Eine Paraphrase ohne „Vgl." wirkt wie ein direktes Zitat ohne Anführungszeichen – das gilt als verdecktes Zitat.

2. „Ebd." über Seiten hinweg verwenden. Wenn die vorhergehende Quelle in der vorigen Fußnote auf der Seite davor stand, ist „ebd." auf der neuen Seite zwar grammatikalisch zulässig, irritiert aber. Im Zweifel den Kurzbeleg setzen.

3. Inkonsistente Schreibung von Autorennamen. Mal „Müller, A.", mal „Müller, Anna". Das wirkt unsauber. Entscheide dich einmal für eine Variante und ziehe sie durch.

4. Seitenangaben fehlen bei Paraphrasen. „Vgl. Müller, 2023" ohne Seitenzahl ist zu pauschal. Wenn die paraphrasierte Aussage auf konkreten Seiten steht, gib die Seiten an.

5. Sammelband-Einträge unvollständig. Bei Beiträgen aus Sammelbänden gehört der Aufsatztitel UND der Sammelbandtitel UND der Herausgeber in den Vollbeleg. Eines davon zu vergessen, ist ein klassischer Punktabzug.

6. Internetquellen ohne Zugriffsdatum. Webseiten ändern sich. Ohne Zugriffsdatum ist eine Internetquelle nicht eindeutig nachvollziehbar.

7. Literaturverzeichnis nicht alphabetisch sortiert. Die Sortierung ist Pflicht, nicht Kür. Word sortiert dir auf Knopfdruck einen markierten Block: Start → Sortieren (das A–Z-Symbol).


Deutsche Zitierweise im Vergleich

Wer in mehreren Fächern studiert, hat oft mit verschiedenen Zitierstilen zu tun. Die wichtigsten Unterschiede in Kürze:

Deutsche Zitierweise: Vollbeleg/Kurzbeleg in Fußnoten. „Vgl." für Paraphrasen. Verbreitet in Geistes- und Rechtswissenschaften.

APA (American Psychological Association): Klammerverweise im Text mit Autor, Jahr, Seite. Verbreitet in Psychologie, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften, zunehmend auch in BWL.

Harvard: Ähnlich wie APA, mit leichten Variationen. Verbreitet in UK-orientierten Studiengängen, Wirtschaftswissenschaften.

Chicago Notes-Bibliography: Sehr ähnlich zur Deutschen Zitierweise mit Fußnoten. Eher in der internationalen Geschichtswissenschaft.

IEEE: Nummerische Verweise [1], [2]. Standard in Ingenieurwissenschaften und Informatik.

Welcher Stil bei dir gilt, steht im Leitfaden deines Instituts. Falls dort nichts steht: Frag deine Betreuung. Eine kurze E-Mail erspart später viel Ärger.


Checkliste vor der Abgabe

Bevor du die Hausarbeit abgibst, geh diese acht Punkte durch:

Erste Nennung jeder Quelle ist als Vollbeleg formatiert.
Alle Folgenennungen sind als Kurzbeleg formatiert.
Paraphrasen haben „Vgl." vor dem Beleg, direkte Zitate nicht.
„Ebd." steht nur unmittelbar nach derselben Quelle.
Jedes Zitat hat eine Seitenangabe (Internetquellen ein Zugriffsdatum).
Alle in Fußnoten zitierten Quellen stehen auch im Literaturverzeichnis.
Das Literaturverzeichnis ist alphabetisch sortiert.
Schriftgröße und Zeilenabstand der Fußnoten entsprechen den Vorgaben deines Instituts.

Wenn alle acht Punkte stimmen, ist deine Zitation formal sauber – und du kannst dich auf den Inhalt konzentrieren.


Fazit

Die Deutsche Zitierweise wirkt auf den ersten Blick komplizierter als APA oder Harvard, weil sie zwischen Voll- und Kurzbeleg unterscheidet und mit Abkürzungen wie ebd., ders. und vgl. arbeitet. In der Praxis ist sie nach drei, vier Übungstexten Routine. Wer die Logik einmal verstanden hat – Fußnote statt Klammer, „Vgl." für Paraphrasen, Vollbeleg bei Erstnennung, Kurzbeleg danach – kann jede Quelle korrekt zitieren.

Der wichtigste Hebel ist Disziplin von Anfang an. Quellen sauber während des Schreibens belegen statt nachträglich. Word-Fußnoten nutzen statt manuell. Seitenangaben sofort eintragen, nicht später nachrecherchieren. Wer das durchhält, gibt am Ende eine Arbeit ab, die formal stimmt – und kann sich auf die inhaltliche Argumentation konzentrieren, auf die es wirklich ankommt.

Diese Anleitung hat dir das Fundament gelegt. Den Rest – Übung, Routine, einen Blick fürs Detail – baust du dir mit jeder Hausarbeit selbst auf.

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