fastwrite Schreibreport 2026: 78.251 Quellen aus 14.311 wissenschaftlichen Arbeiten

Über wissenschaftliches Schreiben wird viel behauptet und wenig gemessen. Dass Studierende nachts arbeiten. Dass sie kaum noch deutsche Literatur lesen. Dass sie in letzter Minute anfangen. Wir haben nachgesehen – und zwar nicht in einer Umfrage, sondern in 78.251 tatsächlichen Literatur-Hinzufügungen aus 14.311 Schreibprojekten.
Manche der verbreiteten Annahmen halten der Prüfung stand. Andere fallen deutlich durch.
Auf den Punkt: die zehn Kernbefunde
| # | Befund | Zahl | Basis |
|---|---|---|---|
| 1 | Literatur wird nachmittags gesammelt, nicht nachts | 4,7 % aller Hinzufügungen zwischen 00:00 und 05:59 | 78.251 Hinzufügungen |
| 2 | Spitzenzeit ist der späte Nachmittag | 15:00 Uhr ist die aktivste Stunde des Tages (8,6 %) | 78.251 Hinzufügungen |
| 3 | Nur eine kleine Minderheit arbeitet überhaupt nachts | 7,3 % der Projekte haben mindestens eine nächtliche Quelle | 10.781 Projekte |
| 4 | Das typische Projekt ist kleiner als erwartet | Median 4 Quellen | 10.777 Projekte mit Literatur |
| 5 | Literatur landet in einem einzigen Schub in der Software | 68,3 % der Projekte fügen alle Quellen an einem Kalendertag hinzu | 10.781 Projekte |
| 6 | Die halbe Recherche dauert unter einer Stunde | 53,5 % der Projekte mit ≥ 2 Quellen: Zeitspanne unter 60 Minuten | 8.668 Projekte |
| 7 | Zitiert wird fast nur Neues | Median-Publikationsjahr 2021; 54,4 % der Quellen sind maximal 5 Jahre alt | 77.848 Quellen |
| 8 | Der Klassiker ist praktisch verschwunden | nur 0,8 % der Quellen erschienen vor 1980 | 77.848 Quellen |
| 9 | Deutsch dominiert klar | 72–76 % der erkennbaren Titel sind deutschsprachig | 59.603 klassifizierte Titel |
| 10 | Fast die Hälfte arbeitet rein deutschsprachig | 48,8 % der Projekte haben ausschließlich deutsche Quellen | 5.946 Projekte |
Wie diese Daten entstanden sind
fastwrite ist ein Schreibassistent für wissenschaftliche Arbeiten. Nutzende laden eigene PDFs hoch und können fastwrite zusätzlich erlauben, externe wissenschaftliche Literatur einzubinden. Aus dieser Produktionsdatenbank haben wir am 29. Juli 2026 einen anonymisierten Snapshot gezogen.
Beobachtungszeitraum:
4. Juni 2025 bis 29. Juli 2026
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Schreibprojekte | 14.311 |
| Nutzende mit mindestens einem Projekt | 12.409 |
| Eingeschlossene Literaturquellen | 78.251 |
| davon selbst hochgeladene PDFs | 64.435 |
| davon über fastwrite gefundene externe Papers | 13.816 |
| Unterschiedliche Titel | 63.182 |
| Erfasste Seiten insgesamt | 2.553.222 |
92,7 % der Nutzenden haben genau ein Projekt angelegt. Der Datensatz beschreibt also überwiegend Menschen, die eine einzelne Arbeit geschrieben haben – keine Vielschreiber.
Was wir nicht ausgewertet haben:
Keine Chattexte, keine Dokumenteninhalte, keine Namen, keine Hochschulen, keine Noten. Die Analyse läuft ausschließlich auf Metadaten und auf den bibliografischen Titeln der Literatur.
Befund 1: Der Mythos der schreibenden Nachteule hält nicht
Das Bild der Studentin, die um drei Uhr morgens verzweifelt Quellen zusammensucht, ist kulturell tief verankert. In den Daten ist es eine Randerscheinung.
| Tageszeit | Anteil der Literatur-Hinzufügungen |
|---|---|
| Nacht (00:00–05:59) | 4,7 % |
| Morgen (06:00–11:59) | 19,1 % |
| Nachmittag (12:00–17:59) | 47,7 % |
| Abend (18:00–23:59) | 28,5 % |
Fast die Hälfte aller Literaturarbeit fällt in den Nachmittag. Die aktivste Stunde ist 15:00 Uhr mit 8,6 % aller Hinzufügungen, gefolgt von 14:00 Uhr (8,5 %) und 16:00 Uhr (8,1 %). Die unproduktivste Stunde ist 05:00 Uhr morgens mit 0,23 %.
Noch deutlicher wird es auf Projektebene: Von 10.781 Projekten mit Literatur haben nur 789 – also 7,3 % – überhaupt eine einzige nachts hinzugefügte Quelle. Bei nur 3,9 % der Projekte fällt die Mehrheit der Quellen in die Nacht.
(Hinweis zu den zwei Nennern in diesem Report: Über die Quellenseite gezählt ergeben sich 10.781 Projekte mit Literatur, über die Projektseite 10.777. Die Differenz erklärt sich durch 12 Quellen, deren Projekt im Snapshot nicht mehr auffindbar war. Wir haben das nicht glattgezogen.)
Auch die naheliegende Vermutung, dass es in Deadline-Monaten anders aussieht, bestätigt sich nicht: Der Nachtanteil bewegt sich über alle 13 vollständig beobachteten Monate zwischen 3,5 % und 5,8 % – ohne erkennbaren Ausschlag.
Befund 2: Samstag ist der stillste Tag der Woche
Wochenenden machen 28,6 % des Kalenders aus, aber nur 24,7 % der Literaturarbeit. Wissenschaftliches Schreiben ist in diesen Daten eine Werktagstätigkeit.
| Wochentag | Anteil |
|---|---|
| Montag | 16,4 % |
| Dienstag | 16,5 % |
| Mittwoch | 15,8 % |
| Donnerstag | 14,3 % |
| Freitag | 12,3 % |
| Samstag | 11,1 % |
| Sonntag | 13,6 % |
Von Montag an fällt die Aktivität kontinuierlich bis zum Samstag – und steigt sonntags wieder an. Der Sonntag ist produktiver als der Freitag.
Befund 3: Das typische Projekt hat vier Quellen
Über alle 14.311 Projekte liegt der Median bei 3 Quellen. Rechnet man die 24,7 % Projekte heraus, die gar keine Literatur enthalten, liegt er bei 4.
| Kohorte | n | Median | Mittelwert | 90. Perzentil |
|---|---|---|---|---|
| Alle Projekte | 14.311 | 3 | 5,5 | 13 |
| Mit ≥ 1 Quelle | 10.777 | 4 | 7,3 | 17 |
| Mit ≥ 5 Quellen | 4.924 | 7 | 13,2 | 28 |
Die Verteilung ist extrem schief. Unter den Projekten mit Literatur haben 45,7 % fünf oder mehr Quellen, aber nur 18,3 % erreichen zehn und nur 1,5 % kommen auf fünfzig. Das größte Projekt im Datensatz enthält 232 Quellen.
Wichtig zur Einordnung: Ein fastwrite-Projekt ist nicht zwangsläufig eine vollständige Abschlussarbeit. Es kann auch ein Kapitel, ein Seminarreferat oder ein abgebrochener Versuch sein. Die Zahl beschreibt Projekte, nicht Noten.
Befund 4: Literatur kommt im Schub, nicht im Fluss
Das ist der Befund, der uns selbst am meisten überrascht hat.
68,3 %
aller Projekte mit Literatur fügen ihre gesamte Literatur an einem einzigen Kalendertag hinzu. Selbst unter Projekten mit mindestens drei Quellen sind es noch 56,1 %.
Betrachtet man nur Projekte mit mindestens zwei Quellen, liegt die Median-Zeitspanne zwischen erster und letzter Quelle bei 0,02 Tagen – etwa 29 Minuten.
| Zeitspanne zwischen erster und letzter Quelle | Anteil der Projekte |
|---|---|
| unter 1 Stunde | 53,5 % |
| unter 24 Stunden | 65,5 % |
| unter 7 Tagen | 81,0 % |
| unter 30 Tagen | 93,2 % |
Und aus der Gegenrichtung betrachtet: 65,2 % aller 78.251 Quellen kommen an einem Tag ins System, an dem dasselbe Projekt mindestens fünf Quellen erhält. 38,7 % an einem Tag mit mindestens zehn.
Der ehrliche Vorbehalt dazu: Das heißt nicht, dass die Recherche eine halbe Stunde gedauert hat. Es heißt, dass die Literatur in einem einzigen Vorgang in fastwrite landet. Viele Nutzende sammeln offensichtlich zuerst anderswo – im Browser, in der Bibliotheksdatenbank, im Downloadordner – und laden dann alles auf einmal hoch. Was wir messen, ist der Moment der Übergabe an das Werkzeug, nicht die Denkarbeit davor.
Genau das macht den Befund aber praktisch relevant: Wer ein Literaturverwaltungswerkzeug baut, baut es meist für kontinuierliche Pflege. Genutzt wird es als Sammelbecken für einen einzigen Upload-Vorgang.
Befund 5: Zitiert wird fast nur, was neu ist
Für 99,6 % der Quellen liegt ein Publikationsjahr vor. Das Median-Jahr ist 2021 – im Median sind die verwendeten Quellen also rund fünf Jahre alt.
| Alter der Quelle | Kumulierter Anteil |
|---|---|
| max. 1 Jahr | 21,8 % |
| max. 3 Jahre | 39,5 % |
| max. 5 Jahre | 54,4 % |
| max. 10 Jahre | 78,4 % |
| max. 20 Jahre | 94,1 % |
| älter als 30 Jahre | 2,3 % |
Nur 634 von 77.848 Quellen – 0,8 % – erschienen vor 1980. Wer wissen will, wie stark sich wissenschaftliches Arbeiten zur Gegenwart hin verschoben hat: Es gibt in diesem Datensatz mehr Quellen aus den Jahren 2025 und 2026 (16.943) als aus dem gesamten Zeitraum vor 2010 (7.819).
Bemerkenswert ist außerdem, dass eigene Uploads und über fastwrite gefundene externe Papers dasselbe Median-Jahr haben: 2021. Die Aktualität kommt also nicht durch die Suchfunktion ins Projekt, sondern entspricht dem, was Studierende ohnehin auswählen.
Befund 6: Deutsch bleibt die Arbeitssprache
Diese Frage hat uns methodisch am meisten Arbeit gekostet, weil wir die Sprache nur aus dem gespeicherten Titel bestimmen können. Wir haben deshalb zwei voneinander unabhängige Verfahren verwendet – ein statistisches Modell (fastText) und ein transparentes regelbasiertes Verfahren.
Auf den 39.902 Titeln, bei denen beide Verfahren eine Entscheidung treffen, stimmen sie in 99,8 % der Fälle überein.
| Verfahren | Coverage | Anteil deutsch | Anteil englisch |
|---|---|---|---|
| Nur fastText (streng) | 54,0 % | 75,7 % | 24,3 % |
| Beide Verfahren kombiniert | 76,2 % | 72,3 % | 27,4 % |
Beide Ansätze landen also im Korridor 72 bis 76 % deutschsprachige Literatur, obwohl sich die Abdeckung um 22 Prozentpunkte unterscheidet. Das ist ein robustes Ergebnis.
Auf Projektebene wird es interessanter. Von 5.946 Projekten mit mindestens drei sprachlich bestimmbaren Titeln:
- 48,8 % arbeiten ausschließlich mit deutschsprachiger Literatur
- 11,5 % arbeiten ausschließlich mit englischsprachiger Literatur
- 39,7 % mischen beide Sprachen
Und ein Befund, der der Intuition widerspricht: Die über fastwrite gefundenen externen Papers sind mit 82,8 % deutschsprachiger als die selbst hochgeladenen PDFs (69,7 %). Wer eine deutschsprachige Fragestellung formuliert, bekommt deutschsprachige Literatur zurück – auch dann, wenn im eigenen Ordner längst englische Papers liegen.
Befund 7: Erlauben ist nicht dasselbe wie nutzen
fastwrite fragt bei neuen Projekten bewusst ab, ob zusätzlich externe wissenschaftliche Literatur eingebunden werden darf. Diese Entscheidung wird seit Dezember 2025 verlässlich gespeichert, weshalb sich die folgenden Zahlen auf Projekte ab diesem Zeitpunkt beziehen (n = 10.511, davon 99,8 % mit gespeicherter Entscheidung).
- 68,8 % erlauben externe Literatur
- 31,2 % beschränken sich bewusst auf eigene Uploads
Von den Projekten, die es erlauben und überhaupt Literatur enthalten, haben aber nur 38,2 % tatsächlich ein externes Paper hinzugefügt. Die Funktion wird also weit häufiger freigeschaltet als verwendet.
Wo sie verwendet wird, dann allerdings gründlich: Bei 24,5 % dieser Projekte stammt die gesamte Literatur aus der externen Suche.
Befund 8: Die deutsche Zitierkonvention ist zäher als die Literatur
Ein kleines Detail mit großer Aussagekraft. Wer Seitenangaben in Zitaten aktiviert, wählt zwischen S. 42 und p. 42. In der Kohorte ab Dezember 2025 haben 81,8 % der Projekte mit gespeichertem Wert Seitenangaben aktiviert, und davon wählen 63,5 % „S." gegenüber 36,5 % „p.".
Spannend wird es im Abgleich mit der tatsächlichen Literatursprache:
| Literatur des Projekts | Anteil, der „S." wählt |
|---|---|
| überwiegend deutsch (≥ 80 %) | 75,9 % |
| überwiegend englisch (≤ 20 % deutsch) | 53,1 % |
Selbst Projekte, deren Literatur fast vollständig englischsprachig ist, wählen in der Mehrheit die deutsche Zitierkonvention. Die Arbeitssprache der Studierenden bleibt Deutsch, auch wenn ihre Quellen es nicht sind.
Das ist zugleich eine unabhängige Bestätigung unserer Spracherkennung: Zwei völlig getrennte Signale – Titelsprache und Nutzereinstellung – zeigen in dieselbe Richtung.
Was diese Daten nicht zeigen
Wir halten das für den wichtigsten Abschnitt dieses Reports.
- Zeitstempel sind Speicherzeitpunkte, keine Arbeitszeiten. Wenn eine Quelle um 15:00 Uhr gespeichert wird, sagt das nichts darüber, wann sie gelesen oder gefunden wurde. Alle Zeitaussagen dieses Reports beziehen sich ausschließlich auf den Moment der Speicherung in fastwrite.
- Eine hinzugefügte Quelle ist keine gelesene Quelle. Und keine zitierte. Über Lektüre und Zitation sagen diese Daten nichts.
- Ein Projekt ist nicht zwangsläufig eine fertige Arbeit. Es kann ein Kapitel, ein Versuch oder ein Testprojekt sein.
- Der Datensatz ist nicht repräsentativ für Studierende im DACH-Raum. Er beschreibt Menschen, die sich für fastwrite entschieden haben. Das ist eine selbstselektierte Gruppe.
- Sprache wird aus Titeln bestimmt, nicht aus Volltexten. Ein deutscher Titel kann zu einem englischen Text gehören und umgekehrt. 23,8 % der Titel bleiben sprachlich unbestimmt, meist weil es Dateinamen statt Titel sind.
- Es gibt keine Angaben zu Noten, Fach, Hochschule oder Land. Aussagen über Qualität, Erfolg oder Zeitersparnis sind aus diesen Daten nicht ableitbar.
- Bekannte Inkonsistenzen haben wir nicht stillschweigend korrigiert: 12 Quellen ohne zuordenbares Projekt, 300 unplausible Publikationsjahre, 260 Projekte mit widersprüchlichem Einstellungszustand.
Häufige Fragen
Wie viele Quellen enthält eine wissenschaftliche Arbeit im Durchschnitt?
Im fastwrite-Datensatz liegt der Median bei 4 Quellen pro Projekt mit Literatur (n = 10.777), der Mittelwert bei 7,3. Die Verteilung ist stark rechtsschief: 18,3 % der Projekte erreichen zehn oder mehr Quellen.
Arbeiten Studierende nachts an ihren Arbeiten?
Nur zu einem kleinen Teil. 4,7 % aller Literatur-Hinzufügungen erfolgten zwischen 00:00 und 05:59 Uhr. 7,3 % der Projekte haben überhaupt eine nächtliche Quelle.
Wie aktuell ist die Literatur, die Studierende verwenden?
Das Median-Publikationsjahr ist 2021. 54,4 % der Quellen sind maximal fünf Jahre alt, 78,4 % maximal zehn Jahre. Nur 0,8 % erschienen vor 1980.
Zitieren Studierende im DACH-Raum überwiegend englische Literatur?
Nein. 72 bis 76 % der sprachlich bestimmbaren Titel sind deutschsprachig, und 48,8 % der Projekte verwenden ausschließlich deutschsprachige Quellen.
Wie lange dauert die Literaturrecherche?
Gemessen an der Zeit zwischen erster und letzter in fastwrite gespeicherter Quelle: 53,5 % der Projekte mit mindestens zwei Quellen liegen unter einer Stunde, 68,3 % erledigen alles an einem Kalendertag. Das misst allerdings den Upload-Vorgang, nicht die Recherche davor.
Sind diese Daten öffentlich verfügbar?
Die aggregierten Kennzahlen dieses Reports ja. Der Rohdatensatz enthält Nutzungsdaten und wird nicht veröffentlicht.
So zitierst du diesen Report
Für einzelne Kennzahlen genügt der Verweis auf Report und Datenstand. Wenn du für eine Veröffentlichung, einen Artikel oder eine eigene Arbeit weitere Auswertungen brauchst, schreib uns – wir stellen aggregierte Zusatztabellen gern bereit.
Methodischer Hinweis: Alle Zeitangaben in Europe/Berlin inklusive Sommerzeit. Eingeschlossen wurden ausschließlich vollständig verarbeitete eigene Uploads und über fastwrite hinzugefügte externe Papers; gelöschte, inaktive und fehlerhafte Einträge sind ausgeschlossen. Die 78.251 Zeilen sind Literatur-Hinzufügungen, nicht 78.251 einzigartige Publikationen – dieselbe Publikation kann in mehreren Projekten vorkommen (63.182 unterschiedliche Titel).
